Neues aus der Karl-Marx-Straße 179

Das vom Abriss bedrohte Haus in der Karl-Marx-Straße 179

Am 12.04.2018 wurde der von der Neuköllner CDU eingebrachte Antrag zur Aufhebung der „Blockade der Erschließungsmöglichkeiten“ (Zitat CDU) für den geplanten Wohnungs-Neubau in der Karl-Marx-Straße 179 im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wohnen verhandelt. Die zahlreich erschienen Bewohner*innen des vom Abriss bedrohten Vorder- und Hinterhauses konnten zufrieden feststellen, dass der Antrag so nicht durchkam und an der Ablehnung der anderen Fraktionen scheiterte. Einigkeit herrschte zwar in der Tatsache, dass der geplante Neubau tatsächlich realisiert werden sollte. Dass man die Zwangsräumung  anderer Mieter*innen dafür aber ernsthaft in Kauf nehmen sollte, fanden glücklicherweise nur die Herren von CDU und FDP hinnehmbar. Eine Baugenehmigung für den neuen Wohnkomplex besteht bereits, wie die Baumaterialien nun in die Hinterhöfe kommen, müssen sich Eigentümer Köhnke und seine Interessenvertretung in der CDU selbst noch mal überlegen und wird wohl Thema in einer der nächsten Ausschusssitzungen.

Über die Entmietungsstrategie des Eigentümer Köhnke haben wir hier schon berichtet. Nach dem vorerst abgewendeten Abriss können sich die Bewohner*innen nun erst einmal um das Anzeigen der zahlreichen Mängel im Haus kümmern. Seit Jahren seien dringend notwendige Reparaturen (kaputte Fenster, Wasserschäden u.a.) in den Wohnungen von der Hausverwaltung Rexmann nicht getätigt worden. Außerdem stehen einige Wohnungen seit über zwei Jahren leer, was beim Bezirksamt Neukölln als Zweckentfremdung von Wohnraum angezeigt werden kann. (Das geht übrigens mit allen Wohnungen, die länger als 6 Monate leer stehen.)

Es ist ziemlich offensichtlich was hier, wie in vielen anderen Berliner Häusern, geschieht: Ein Haus wird so lange dem Verfall Preis gegeben und leere Wohnungen nicht weiter vermietet bis alle Mieter*innen ausgezogen sind bzw. dazu gezwungen wurden. Dann kann der Eigentümer das Haus von Grund auf sanieren und um ein Vielfaches teurer vermieten. Oder das Haus soll, wie im Fall der Karl-Marx-Straße 179, am besten ganz abgerissen werden.

Der Vermieter wird wahrscheinlich weiterhin versuchen, die Mieter*innen mit fünfstelligen Euro-Beträgen zum Auszug zu bewegen. Leider hilft aber ein volles Konto bei der Wohnungssuche in Berlin nicht weiter. Wer kein hohes regelmäßiges Einkommen nachweisen kann, wird so schnell nichts in der Nachbarschaft finden. Und wer Sozialleistungen erhält, muss sich das Geld beim Amt sowieso anrechnen lassen.

Wir wünschen allen Bewohner*innen der KMS179 weiterhin viel Durchhaltevermögen und hoffen, dass sich ihre Beharrlichkeit am Ende bezahlt macht.