Ein Korb für Gabi

Am Donnerstag haben wir Annas Eigentümerin einen hübschen Präsentkorb überreicht. Warum?

Die gute Dame hat Eigenbedarf auf Annas zu Hause angemeldet, kurz nachdem Anna ein überhöhtes Mietverlangen zurückgewiesen und sich auf die Mietpreisbremse berufen hatte.
HIER könnt ihr mehr zu Annas Situation und der ersten Gerichtsverhandlung lesen.

Wir können uns nicht vorstellen, dass die Eigentümerin, eine Anwältin mit gut gefülltem Immobilienportfolio in verschiedenen Berliner Bezirken, tatsächlich ihren hohen Lebensstandard aufgeben möchte und vorhat, mit ihrem Ehemann unter der Woche in Annas Bruchbude ohne fließend Warmwasser und Bad zu hausen.

Zur Sicherheit, falls das Landgericht die Eigenbedarfsstory für glaubwürdig hält, hat die Eigentümerin heute von uns den Präsentkorb bekommen. Er ist gefüllt mit den wichtigsten Survival-Tools die es braucht, um in Annas zu Hause klar zu kommen. Denn besonders wenn man bisher deutlich gediegenere Lebensstandards gewohnt ist, könnte das Leben in dieser Wohnung etwas überforderend und stressig sein. Daher gab es von uns heute:

– Trockenshampoo: Leider gibt es kein Bad und kein Warmwasser in der Wohnung. Aber als Kanzleipartnerin mit Spreeblick muss man ja immer eine schicke Frise am Start haben. Kleiner Tipp: Zum Duschen kann man auch prima ins Fitnessstudio gehen. Der nächste Waschsalon befindet sich direkt an der U-Bahnstation um die Ecke. Ja genau, in der Wohnung gibt es keine Möglichkeit, eine Waschmaschine anzuschließen.

– Pfeifenkessel: Wegen der schlechten Isolierung der Wohnung wird es im Winter nie so richtig warm. Da tut ein Heissgetränk gut.

– Ohrstöpsel: Es ist ganz schön laut an der Kopfsteinpflasterstraße mit Späti unter der Wohnung. Und wenn dann noch Leute nachts um die Häuser ziehen, da sehnt man sich nach einem ruhigen Schlaf.

– Plastikblume: Es ist recht dunkel im ersten OG. Damit Pflanzen nicht eingehen, sind sie am besten aus Plastik.

– Duftkerze: Gegen den Gestank der Autoabgase und falls mal wieder die Sicherung rausfliegt. Kleiner Tipp: Niemals Staubsauger und Bohrer gleichzeitig nutzen!

– Zwei Sterniflaschen: Zum Anstoßen mit dem Ehegatten auf das neue traute Heim.

– Schlaf- und Nerventee: Falls diese neuen Lebensbedingungen doch zu stressig werden.

– Und das Allerwichtigste: Ein Antrag auf Grundsicherung im Alter. Schließlich lies die Eigentümerin verlauten, sie brauche ausgerechnet Annas Bruchbude, weil diese so günstig sei und sie später nur eine kleine Rente in Höhe von 600 Euro erwarte.

Oben seht ihr das Video von unserem Akt der Solidarität. Wer wissen möchte, wie das Landgericht entscheidet oder die Eigentümerin fragen will, ob der Duftkerzengeruch genehm ist:

Die Verhandlung findet am 07.11.2018 um 13.30 Uhr in der Littenstraße 12-17, Raum III/3807 statt.