„Vielleicht ist es ja auch krank, den Mund zu halten!“ – Workshopbericht

Abhängigkeit vom Grundsicherungsamt heißt: Um die kleinste Notwendigkeit muss man kämpfen. Geld dazu verdient? Wird unrechtmäßig abgezogen. Besonderer Ernährungsbedarf? Abgelehnt. Attest? Nicht das richtige.

Die Nachbarin bekommt Post von der Vermieterin: Kündigung wegen Eigenbedarfs – Klaro. Eine neue Wohnung? Fehlanzeige, alles zu teuer für’s Jobcenter. Wie geht es jetzt weiter? Lande ich auf der Straße? Bin ich selbst schuld? Nein!

Wie ständige Geldsorgen, Existenzangst, Überforderung mit Papierkram, Selbstzweifel und Isolation uns krank machen, und was wir dagegen tun können – das war das Thema in unserem Workshop. Aktivist*innen der Solidarischen Aktion Neukölln berichteten im ersten Teil von eigenen Erfahrungen mit drohendem Wohnungsverlust, Leben in Armut, Abhängigkeit vom Amt und krankmachender Arbeit. Sie erzählten Teilnehmenden des Workshops, was wir mit der Solidarischen Aktion unternommen haben, um uns zu wehren: Begleitung zum Amt, Spontanbesuche in der Bezirksverwaltung, öffentlicher Druck durch Aktionen.

Im zweiten Teil des Workshops haben wir uns in Kleingruppen zu unseren Erfahrungen mit dem Amt, dem Vermieter oder der Chefin ausgetauscht. Danach übten wir mit Methoden des Theaters der Unterdrückten, wie es sich anfühlt und aussieht, wenn wir uns erfolgreich wehren. Wenn wir unseren Zuverdienst oder den besonderen Ernährungsbedarf durchsetzen, wenn viele Leute unserer Vermieterin bei der Gerichtsverhandlung zeigen, dass sie vielleicht vom Gericht Recht zugesprochen bekommen kann, der Stress für sie aber gerade erst anfängt.

Nicht überraschend: Alle waren begeistert und haben sich erleichtert gefühlt. Das wird nicht unser letzter Workshop gewesen sein.