Warten auf das Geld. Das Jobcenter nervt – so richtig!

Nadja hat Ende November beim Jobcenter Neukölln einen Antrag gestellt. Mitte April ist das Geld immer noch nicht da…

Hier ein kleiner Bericht:

Wir haben als Bedarfsgemeinschaft Ende November einen Antrag auf ALG II gestellt. Mein Mann war länger krank und mit meiner prekären Beschäftigung ist klar, dass ich uns beide nicht finanzieren kann. Bevor wir alle Unterlagen abgeben können, müssen wir vorsprechen. Der erste Termin ist schrecklich, noch nicht mal alle Unterlagen abgegeben, wird mein Ehemann direkt von der unfreundlichsten Mitarbeiterin der Welt in eine Maßnahme geordert. Bewerbungstraining vier Mal die Woche acht Stunden und eine Einführung ins Hartz IV, in der von Rechten nie die Rede ist, nur von Pflichten und drohenden Sanktionen. Wir wissen ja schon, dass das Jobcenter scheiße und das in Neukölln das vielleicht beschissenste in Deutschland ist. Aber wir haben keine Wahl.

Nach drei Wochen – kurz vor Weihnachten – kommt ein Brief, Unterlagen fehlten angeblich, es bräuchte noch Kontoauszüge. Normal, ist auch schwierig bei dem Papierwust den Überblick zu behalten. Wir drucken aus, stellen uns brav in die Schlange am Jobcenter an und lassen die Unterlagen von einem Sachbearbeiter checken. Ich sage ihm, dass wir gerade wirklich dringend Geld brauchen und „keine Sorge“ sagt er, „das kommt dann gleich in die Leistungsabteilung“.

Drei Wochen später kommt der nächste Brief, wir sollen den Hauptantrag nochmal korrekt ausfüllen. Da wir nicht wissen was gemeint ist, stellen wir uns wieder in die Schlange. Der Sachbearbeiter erklärt uns, wir hätten etwas falsches angekreuzt haben – es tue ihm leid er habe das beim letzten Mal nicht gesehen. Schulterzucken, erneutes Ausfüllen und abgeben. Wir müssen uns wieder Geld leihen, um die Miete zu bezahlen.

Drei Wochen später ein neuer Brief, man benötigt eine Bestätigung von meinem Arbeitgeber über mein Einkommen, die Lohnzettel von Januar und wieder alle Kontoauszüge. Ich hatte irgendwie gehofft, das zu vermeiden und brauche ein bisschen, bis ich mir ans Herz fasse und meinem Chef darum bitte, den Zettel auszufüllen. Mein direkter Chef ist dazu nicht berechtigt, der Wisch muss zur Lohnbuchhaltung geschickt werden. Diese ist natürlich erst mal im Urlaub. Wieder vergehen zwei Wochen.

Dann wieder Schlange stehen. Mein Mann hat zum 15.Februar wieder einen Job, den Lohn dafür erhält er natürlich erst im Folgemonat. Trotzdem weiß das Jobcenter schon Bescheid, also bekommen wir wieder einen Brief, mein Mann müsse den neuen Arbeitsvertrag und die Bestätigung des Arbeitgebers vorlegen. Wieder Schlange stehen, abgeben und Geld leihen.

Drei Wochen später kommt wieder ein Brief. Es fehlt meine Lohnabrechnung von Februar und März und wieder alle Kontoauszüge. Wieder Schlange stehen, abgeben und Geld leihen. Langsam werde ich nervös, ich habe mich bei einigen Freunden verschuldet und glaube fast nicht mehr daran, dass wir noch die uns zustehenden Leistungen erhalten werden. Ich rufe inzwischen schon täglich an und frage nach, ob es Neuigkeiten gibt.
Als Antwort erhalte ich: Das Jobcenter hat 14 Werktage Zeit, die Papiere zu bearbeiten. Diese werden derzeit außer Haus eingescannt.

Wieder ein Brief, hoffnungsvoll öffne ich ihn. In dem Brief steht mein Mann solle die Anlage EKS Mai 2019-Oktober 2019 ausfüllen?! Ich rufe wütend an. Am Telefon wird mit gesagt, mein Mann habe beim letzten Gespräch gesagt, er wolle sich selbstständig machen – „Hää er hat doch gerade einen Job angefangen“ entgegne ich verwundert. Der Mitarbeiter antwortet schnippisch: „das steht hier so vermerkt, vielleicht redet ihr Mann nicht über alles mit Ihnen“, oje was ein **** denke ich und sage: „Mein Mann sitzt neben mir, hier reden sie mal mit ihm!“ – Am Ende ist es also doch ein Missverständnis gewesen. Wir können bis Ende April einen Brief nachreichen, dass er sich doch nicht selbstständig machen will und sie brauchen dann noch den Lohnzettel von März und alle Kontoauszüge.

Ich lege auf, ich raste aus, ich fühle mich echt verarscht. Nächster Schritt Sozialgericht. Hätte ich schon viel früher machen sollen…