Workshop 18.10.19, 16-19:00: Raus aus dem Teufelskreis- Solidarität statt Vereinzelung

Nachdem in Großbritannien ein Einsamkeits-Ministerium eingeführt wurde, entdecken auch Politiker in Deutschland das Thema. Aber nicht, weil Einsamkeit menschliches Leid bedeuten kann*, sondern weil Kosten anfallen und wirtschaftliche Schäden zu befürchten seien. Denn wer einsam sei, erkranke häufiger. So sei das Problem von Psychiatrieerfahrenen oft Einsamkeit, so eine gängige These. Die „Krankheit“ bewirke einerseits Gefühle der Einsamkeit, andererseits könnten Einsamkeitserlebnisse die „Krankheit“ (mit) verursachen oder zumindestens deutlich verstärken. Die Einsamkeit wird medizinisiert. Die Pharmaindustrie verdient sich eine goldene Nase an der Einsamkeit. Zudem wird den Betroffenen die Schuld an der Misere zugewiesen. Die objektiven Ursachen der grassierenden Vereinsamung kommen nicht zur Sprache, was wir in der Veranstaltung tun wollen. Die Arbeitswelt mit ihrem Zwang zu Flexibilität und Mobilität zerstört Bindungen. Und wer als Lohnabhängige/r nicht funktioniert, also nicht leistungsfähig ist, wird von der Armutsgesetzgebung und Armutsverwaltung in den Ämtern vereinzelt und drangsaliert, in der Existenz bedroht (z.B. durch Verdrängung) und in der Öffentlichkeit als Sozialschmarotzer diffamiert. Das führt zur Ausgrenzung der Betroffenen. Götz Eisenberg schreibt, dass die Innenstädte zum Aufmarschgebiet der Waren werden und keine nichtkommerziellen Räume für Begegnung mehr bieten, die Dörfer veröden. Die kapitalistische Produktionsweise löste die traditionellen Formen von Gemeinschaftlichkeit auf und verwandelt die Menschen in soziale Atome, lauter vereinzelte Einzelne. Kälte ist der vorherrschende Modus kapitalistischer Zwischenmenschlichkeit. „Wer wirklich etwas gegen die wachsende psychische Verelendung und Vereinsamung, unternehmen will, sollte für neue Vergesellschaftsformen jenseits von Ware, Geld und Markt kämpfen.“ Die Solidarische Aktion Neukölln setzt auf kollektive Bewälttigungsstrategien. Wir zeigen auf, was für uns Solidarität bedeutet, denn dem Stress von Ämtern, Chefs und Vermietern begegnen wir mit solidarischem Handeln. Wir stressen zurück. Besser gemeinsam kämpfen statt einsam enden. In dem Workshop wollen wir uns zum Thema Einsamkeit und Vereinzelung austauschen und kollektive Bewältigungsstrategien erarbeiten. Es wird auch eine Kaffeepause mit Snacks geben. Wir freuen uns auf euch! Eure Solidarische Aktion Neukölln